Topolino

 

 

 

 

Der einsame Mäuserich

 

 

In einem Talkessel umgeben von Bergen, durchzogen von Bächen

 

und begrenzt von einem reißenden Fluss lebte ein kleiner Mäuserich.
Er hatte keinen Namen, weil ihm niemand einen Namen gegeben hatte. Er wusste auch nicht, wie er dort hingelangt war. Aber er dachte,
er befände sich im Paradies, weil er mit niemandem teilen musste.
Es fehlte nicht an grünen Wiesen. Es gab Getreide aller Sorten, die getrennt voneinander wuchsen. Der Talkessel war gut durchorganisiert, er konnte nur von einem Menschen bebaut worden sein.

 

Der Mäuserich hatte keinen festen Unterschlupf. Er wusste nicht einmal, was ein Loch in der Erde oder ein Nest war. Er arbeitete auch nicht. Wenn er hungrig war und keine Lust hatte, auf die Pflanzen zu klettern, um die Körner aus den Ähren zu holen, ging er einfach auf eines der Felder, wo das Korn schon reif war, legte sich unter die Pflanzen und wartete. Dabei streichelte er sich seinen weißen Bauch. Er hielt Ausschau nach den Spatzen, denn wenn diese auf den Getreidehalmen landeten und anfingen zu fressen, fielen immer ein paar Körner auf den Boden. Der Mäuserich brauchte dann nur das Mäulchen weit aufzusperren und die Körner fielen direkt hinein. Nur kauen musste er noch selbst.

 

Es landeten so viele Körner auf dem Boden, es hätten tau- send Mäuse davon satt werden können. Die einzige Arbeit, die dieser Mäuserich hatte, war, von einem Feld in ein anderes zu ziehen, wenn der Bauer dieses gerade aberntete.

 

Die Tage verbrachte der Mäuserich mit Essen und Schlafen. Außerdem passte er auf, damit er nicht unter die Räder des Traktors geriet. Die Raubvögel wollten ihn nicht, zumindest hatte er noch keinen gesehen, und so musste er nicht einmal den Himmel beobachten. Er führte ein langweiliges Leben.

 

Manchmal dachte er darüber nach, ob es irgendwo noch andere Mäuse geben würde. Er konnte doch nicht die einzige sein. Doch seine Bequemlichkeit hinderte ihn am Suchen. Er war so sehr daran gewöhnt, den lieben langen Tag zu faulenzen, dass er nicht einmal überlegte, auf die Suche nach anderen Artgenossen zu gehen.

 

Je mehr er faulenzte, desto fetter wurde er. Die Vögel veräppelten ihn schon und riefen: „Du bist keine Maus! Du bist eine Ratte! So fett bist du!“

 

Die Katze, die beim Bauern wohnte, wusste zwar, dass es auf dem Hof eine Maus gab. Aber auch sie wollte ihn nicht fressen, weil er einfach zu dick war.

 

Nachdem er mal wieder von den Vögeln verspottet worden war, sah der Mäuserich an sich herunter und auf einmal gefiel er sich selbst nicht mehr. Also beschloss er eines schönen Tages, spazieren zu gehen, weniger zu essen und sich auf die Suche nach anderen Mäusen in diesem Tal zu machen. Er ging sehr weit, aber er traf keine andere Maus. Je weiter er ging, ohne jemandem zu begegnen, desto mehr verlor er die Lust daran, weiterzusuchen. Doch er bemerkte, dass er abspeckte. Er bemerkte auch, dass er jeden Tag schneller laufen konnte. Also entschied er sich dafür, längere Wege zu gehen.

 

 

 

Eines Tages, die Sonne stand schon hoch am Himmel, spazierte er an dem reißenden Fluss entlang. Der Fluss war nicht so still wie die Bäche, die er kannte. Er war laut und schäumte, und es war dem Mäuserich nicht möglich, von dem Wasser zu trinken. Doch das Tosen des Flusses störte ihn nicht. Im Gegenteil: Es gefiel ihm. Es gefiel ihm auch, zuzuschauen, wie das Wasser in kleinen Strudeln in die Tiefe stürzte, sich verwirbelte und wie sich dabei immer das gleiche Geräusch ergab. Das monotone Rauschen des Wassers ließ ihn fast einschlafen. Doch er wollte nicht schlafen und zwang sich, die Augen aufzuhalten. Um nicht doch noch einzudösen, spazierte er abwechselnd auf dem sandigen Ufer und auf der Wiese daneben. Ab und zu sprang er auch von einem Stein zum anderen, denn das Ufer war auch damit gesäumt. Er versuchte, so nah wie möglich am Wasser zu gehen. Nach einer Weile kam er an eine Stelle, an welcher der Fluss nicht so breit war. Das Wasser zwang sich durch die Enge und gurgelte umso lauter. Der Mäuserich konnte die Tiefe dieses schmalen Beckens geradezu spüren. Das gefiel ihm. Das Wasser spritzte überall hin und der Mäuserich bekam den einen oder anderen Tropfen ab. Die warme Sonne trocknete sein Fell jedoch sofort wieder.

 

Schließlich zwang der Hunger den Mäuserich, den Fluss zu verlassen. Er blieb am ersten Getreidefeld stehen, doch er wartete nicht mehr darauf, dass die Spatzen kamen und die Körner ihm ins Mäulchen fielen, sondern krabbelte selbst die reife Weizenpflanze hinauf. Als er hoch genug geklettert war, brach der Halm unter seinem Gewicht. Zusammen mit der Ähre fiel er auf den Boden. Anscheinend war er immer noch zu dick, wie er meinte.

 

Weil der Mäuserich müde und verschwitzt war, suchte er sich ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen. Er hatte zum ersten Mal für sein Essen gearbeitet und merkte, wie anstrengend das war.

 

 

 

 

Die andere Maus

 

 

Der Fluss faszinierte den Mäuserich so, dass er am nächsten Tag wieder dorthin ging, um die Spritzer zu genießen, von denen er getroffen wurde. Danach ließ er sich von der Sonne verwöhnen. Er sah hinüber auf die andere Seite des Flusses und erblickte auf einmal ein hübsches Mäuschen. Dieses genoss genau wie er die Spritzer des Wassers und die trocknenden warmen Strahlen der Sonne. Der Mäuserich rief, so laut er konnte, doch das Mäuschen hörte ihn nicht. Es war damit beschäftigt, sich mit den Spritzern des Wassers zu putzen und schön zu machen. Danach legte es sich an das Ufer und genoss das Tosen des Wassers. Das Mäuschen war ganz schlank, denn auf der anderen Seite des Flusses gab es nicht so viel zu essen. Der Mäuserich hasste mit einem Mal das Tosen des Wassers. Endlich hatte er eine andere Maus gefunden und nun konnte sie ihn nicht hören.

 

Er krabbelte auf einen Baum und versuchte, sich zu zeigen. Aber das Mäuschen sah nicht zu ihm hin. Es träumte von einem Feld voller Getreide mit fetten Ähren.

 

Der Mäuserich krabbelte den Baum wieder hinunter. Er wollte unbedingt, dass das Mäuschen ihn sah.

 

In der Nähe wuchs ein Schilfdickicht und dort huschte der Mäuserich hin. Er kletterte auf eine Schilfpflanze und schaukelte und wackelte mit ihr. Ohne Vorwarnung brach der Schilfhalm ab und der Mäuserich platschte ins Wasser. Zum Glück konnte er sich mit den Vorderpfoten am Rand festkrallen und es gelang ihm mit viel Kraft, sich aus dem reißenden Wasser zu ziehen. Er war nass bis auf die Knochen, doch er war immer noch auf seiner Seite des Flusses. Von all dem hatte das Mäuschen nichts mitbekommen. Er hatte gesehen, wie sich das Mäuschen vorhin geputzt hatte, und weil er so nass war, ahmte er es nach. Er sah, dass sein Fell immer schöner und glänzender wurde. Sonst hatte er auf Körperpflege keinen großen Wert gelegt. Danach legte er sich in die Sonne, um zu trocknen. Das Gesichtchen drehte er in Richtung des Mäuschens, damit er sehen konnte, was es machte. Doch dann schlief er ein.

 

Das Mäuschen auf der anderen Seite des Flusses wurde vor Hunger wach. Da bemerkte es, dass es das Weizenfeld, in dem es lag, nur geträumt hatte. Das Mäuschen wollte sich auf den Weg machen, um etwas zu essen zu finden. Es drehte sich seitlich in Richtung des Flusses und entdeckte auf einmal eine dickere Maus auf der anderen Seite. Das Mäuschen blinzelte und dachte: Bin ich noch am Träumen? Dort habe ich noch nie eine Maus gesehen. Es richtete sich auf und fing an zu rufen, so laut es konnte. Aber der Fluss übertönte alles und riss sein Stimmchen fort.

 

Der Mäuserich schlief tief und fest und träumte, dass jemand ihn rief. Das Mäuschen hatte sich mittlerweile heiser gerufen und sein Hunger wurde immer größer. Deshalb ging es fort.

 

Der Mäuserich wachte plötzlich auf, schaute zum anderen Ufer hinüber und bemerkte, dass das Mäuschen verschwunden war. Die einzige Gelegenheit, die ich hatte, habe ich verpasst, dachte er traurig, weil er nicht wusste, dass er doch gesehen worden war. Betrübt ging er in die Getreidefelder. Die reifen Ähren konnte er schon von Weitem riechen, aber der Mäuserich hatte keinen Hunger, und er legte sich enttäuscht einfach wieder schlafen. Zumindest versuchte er es, denn er war nicht müde. Er hatte schon so viel geschlafen. Und obwohl er von solchen Wohlgerüchen der Blüten und des Heus umgeben war, konnte er einfach nicht einschlafen. Immer wieder drehte er sich von einer Seite auf die andere und erfand immer neue Schlafpositionen. Schließlich gab er es auf und begann stattdessen, alleine zu spielen, was ihn sehr amüsierte. Er lachte und die Nacht verging sehr schnell.

 

 

Das Unwetter

 

 

Am nächsten Morgen ging er ausgeruht sofort an den Fluss.

 

Das Mäuschen war die ganze Nacht unterwegs gewesen, um etwas Essbares zu finden. Sie musste nicht aufpassen, dass sie fett wurde. Wenn sie Glück hatte, fand sie etwas zu essen, doch wenn sie Pech hatte, dann hatten andere alles gegessen. Während sie nach Futter gesucht hatte, hatte sie immerzu an die andere Maus denken müssen, und so führte auch ihr Weg sie zurück an den Fluss. Als das Mäuschen dort ankam, war der Mäuserich schon da. Beide versuchten, sich etwas zuzurufen, doch der Fluss verschlang all ihre Laute. So ging jeder auf seiner Seite des Ufers spazieren, bis sie an eine Stelle kamen, wo der Fluss etwas leiser war. Das Wasser floss zwar immer noch sehr schnell. Jedoch war es ihnen hier möglich, miteinander zu sprechen. Je mehr sie sich unterhielten, desto mehr mochten sie einander. Nur der reißende Fluss trennte sie.

 

Sie trafen sich fortan jeden Tag am Fluss. Sie spazierten, sie redeten, nur ab und zu mussten sie sich trennen, denn der Hunger zwang sie, auf Nahrungssuche zu gehen. Das Mäuschen musste Glück haben, um seinen Hunger stillen zu können, während der Mäuserich Futter im Überfluss hatte. Er hatte Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, was er zuerst essen sollte. Für den Mäuserich verstrich die Zeit, in der er auf das Mäuschen warten musste, während dieses noch auf Futtersuche war, unendlich langsam.

 

Eines Tages, als beide auf ihren Seiten des Flusses spazieren gingen, zogen Wolken den Himmel zu. Sie wurden immer mehr und verdunkelten schließlich den ganzen Himmel. Die beiden Mäuse dachten im ersten Moment, die Nacht sei schon hereingebrochen. Sie sahen sich ängstlich um, denn sie wussten, was nun passieren würde. Ein schneller Abschiedsgruß und beide huschten davon. Jeder suchte sich ein Versteck, das weit vom Fluss entfernt lag. Kaum hatten sie einen Unterschlupf gefunden, als die Wolken ihre Schleusen öffneten und der Regen auf die Erde klatschte. Das Wasser rauschte aus dem Himmel, als hätten die Wolken alles auf einmal entleert. Das Wasser des Flusses begann sich zu verfärben, und der Fluss schwoll immer mehr an. Zwei Stunden lang hielt der Regenguss an. So schnell, wie sie gekommen waren, waren die Wolken auch wieder verschwunden. Die Sonne kam heraus und spendete ihre Wärme. Der Fluss war so angeschwollen, dass die beiden Mäuse sich nicht mehr sehen konnten. Sie versuchten, einander zu rufen, doch die Entfernung war jetzt zu groß. Sie konnten einander nicht hören. Beide machten sich Sorgen, ob dem anderen etwas geschehen war. Doch sie konnten nichts anderes tun, als zu warten.

 

Als der Wasserspiegel sank, kamen die beiden Mäuse einander wieder näher. Endlich konnten sie sich wiedersehen. Für die zwei dauerte es eine Ewigkeit, bis der Fluss wieder in sein früheres Flussbett zurückgekehrt war. Sein Wasser war immer noch braun. An manchen Stellen hatte es das Ufer unterspült und die Erde war weggebrochen. An manchen Stellen, wo vorher ein Strand gewesen war, befand sich nun ein Hang und an anderen Stellen, wo ein Hang gewesen war, befand sich nun ein Strand. An der engsten Stelle hatte der Fluss einen Teil der Erde mitgerissen und dadurch war eine Bambusstange umgefallen und lag quer über dem Fluss. Die Spitze der Bambusstange berührte gerade so das Ufer auf der anderen Seite. Es war ein Wunder geschehen! Auf einmal gab es eine Brücke!

 

Die Brücke war sehr schmal und lang. Als der Mäuserich das sah, wollte er sofort hinüberhuschen. Aber das Mäuschen rief: „Bleib! Du bist zu schwer! Der Bambus würde brechen und das Wasser würde dich in die Tiefe reißen. Ich komme rüber zu dir. Ich bin viel leichter als du.“

 

Ich will aber da rüberkommen. Ich will wissen, wie es dort aussieht. Hier kenne ich doch schon alles.“

 

Es ist besser, du kommst gar nicht erst auf diese Seite“, rief das Mäuschen.

 

Je länger sie diskutierten, desto mehr Erde wurde vom Wasser fortgespült. Nach und nach wurde die Wurzel der Bambusstange freigelegt. Die Zeit drängte, lange würde die Brücke nicht bestehen bleiben. Das Mäuschen fing an, den Fluss zu überqueren. Als sie in der Mitte des reißenden Stroms war, bog der Bambus sich so sehr durch, dass sie das kalte Wasser an ihrem Bauch spürte. Der Mäuserich hielt den Bambus fest, damit der Fluss sein Mäuschen nicht mitnehmen konnte. Dieses strengte sich an, zog sich mit ihren kleinen Krallen am Bambus entlang und gelangte endlich an das rettende Ufer. Kaum war sie angekommen, als die Wurzeln der Bambusstange vollständig freigelegt waren und die Stange mitsamt der Erde ins Wasser fiel. Sprachlos sahen sie zu, wie der Fluss die neue Brücke verschlang. Es gab kein Zurück mehr für das Mäuschen.

 

Sie blickten sich an. Endlich waren sie zusammen! Sie putzten und trockneten sich gemeinsam und hatten sich immer lieber.

 

 

Topolino und Stella

 

 

Auf der anderen Seite hatten die dort lebenden Mäuse bemerkt, dass das Mäuschen den Fluss überquert hatte. Sie war nun genau dort, wo alle anderen auch so gerne hinwollten. Sie liefen am Fluss entlang und schauten, wie andere das Ufer erreicht hatten, doch sie fanden es nicht heraus. Sie machten einen Aufstand, schimpften und wollten wissen, wie man den Fluss überquerte. Doch die beiden Mäuse im Tal schwiegen.

 

Wie heißt du eigentlich?“, fragte das Mäuschen.

 

Ich habe keinen Namen“, sagte der Mäuserich.

 

Ab jetzt heißt du Topolino. Ich bin Stella. Zeig‘ mir, wo du wohnst“, sagte das Mäuschen zum Mäuserich.

 

Überall!“, antwortete dieser. „Alles, was du hier siehst, gehört mir“, machte er sich wichtig.

 

Zeig‘ mir deine Familie“, bat das Mäuschen, „und zeig mir deinen Bau.“

 

Es gibt keinen Bau und auch keine Familie. Ich bin hier ganz alleine.“

 

Das Mäuschen bekam fast Tränen in die Augen. „Die Katzen ...“, fragte es stockend, „haben die deine Familie gefangen?“

 

Nein, es gibt nur eine einzige Katze hier und die ist faul und fett und schläft den ganzen Tag und auch die Nacht über. Ihre Besitzer geben ihr nur das Beste zu essen. Folge mir!“

 

Der Mäuserich zeigte dem Mäuschen das Tal. Er führte sie überall hin. und ein Platz war schöner als der andere. „Hier musst du nur auf eine Sache aufpassen: auf die Räder des Traktors. Damit sie dich nicht platt fahren.“

 

Das Mäuschen konnte sich nicht sattsehen. Für einen Moment vergaß sie alles, was auf der anderen Seite war. Sie vergaß auch, dass alle anderen Mäuse dort Hunger litten. „Schade, so viel Getreide, das auf dem Boden liegt und kaputtgeht“, meinte sie dann. „Da könnten alle Mäuse auf der anderen Seite des Flusses satt von werden.“

 

Sie erzählte dem Mäuserich, wie es auf der anderen Seite aussah: „Da sind nur Abhänge, Berge, Steine und nur wilder Samen wächst dort. Der ist so klein, dass man sehr viel davon finden muss, um ein bisschen satt zu werden.“

 

Topolino verstand, dass es auf der anderen Seite des Flusses viele Mäuse gab, die miteinander spielen, aber nicht über- leben konnten. Doch obwohl sie viel Hunger hatten, wurden es immer mehr.

 

Stella wusste, dass sie sich mit Topolino alleine in einem Land des Überflusses befand. Zusammen mit einer Katze, einem Traktor, der immer auf den Feldern herumfuhr und eine enorme Größe hatte. Sie sagte zu Topolino: „Jetzt, da ich nicht mehr nach Hause zurückkehren kann, bringe ich dir bei, wie eine richtige Maus zu leben. Zuerst suchen wir uns einen Platz, an den der Traktor nicht hinfahren kann.“

 

Gemeinsam begutachteten sie einen Hang, auf dem sie vor dem Traktor sicher waren. Stella suchte dort sofort eine Stelle, an dem die Erde ideal war, um einen Bau zu graben. Sie zeigte Topolino genau, wie man das machte. Nun war der Mäuserich dran. Topolino grub zum ersten Mal in der Erde. Er war müde und seine Krallen waren abgestumpft, aber er wollte Stella nicht zeigen, dass er nicht mehr konnte. Er arbeitete und schwitzte und ein Gramm nach dem anderen verschwand. Nach zwei Tagen schwerer Arbeit hatten sie den Bau fertig und Topolino war auf dem besten Weg, wirklich den Umfang einer Maus zu bekommen.

 

Gemeinsam sammelten sie trockenes Gras und Maisblätter und brachten sie in den Bau. Stella baute ein Nest und Topolino rannte davon und schleppte die großen Maisblätter heran. Das Mäuschen war glücklich, einen Bau und ein Bett zu haben und noch dazu Essen im Überfluss. Topolino dagegen hatte so viel gearbeitet, dass er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Er legte sich ins Nest und fühlte, wie weich die Unterlage war. Er schlief sofort ein und wurde nicht einmal wach, als der Traktor die Erde umpflügte.

 

*

 

Während Topolino im Reich der Träume weilte, wusch und putzte Stella sich. Ihr Fell glänzte und es wirkte, als hätte sie sich ein neues Kleid angezogen. Sie sah hübsch aus mit ihren zwei weißen Pünktchen auf dem Kopf und ihrer roten Nase. Sie krabbelte in den Bau und Topolino wachte davon auf. Er sah sie und rieb sich verwundert die Äuglein. „Bist du immer noch die gleiche?“, fragte er erstaunt.

 

Ich habe mich nur gewaschen.“ Sie lächelte ihn an. Topolino begriff, dass er sich nach der harten Arbeit putzen musste. Er setzte es sofort in die Tat um.

 

In kurzer Zeit hatte er viele Sachen gelernt, auch, wie man sich sauber hielt. Die beiden geputzten Mäuse sahen aus, als hätten sie sich darauf vorbereitet, auf ein Fest zu gehen. Doch im Tal gab es niemanden, der feierte. Dort gab es nur den Bauern, seine Frau und ihre beiden Kinder, den Traktor und die fette Katze. Wenn die Familie hinausging, hatten alle Stiefel an, nur die Katze nicht.

 

Topolino und Stella saßen abends zusammen, aßen und tranken, dabei sahen sie der Bauernfamilie zu, die sich um einen großen Tisch im Freien versammelt hatte und das Abendessen genoss. Selbst die Katze hatte ihren eigenen Teller in einer Ecke. Die Bauernfamilie erzählte einander, was sie am Tag erlebt hatte. Sie sahen sehr glücklich aus. Zudem hatten sie ein wirklich schönes Haus.

 

Die beiden Mäuse schauten sich an und Topolino sagte: „Wir haben auch einen Bau.“

 

Ja“, antwortete Stella. „Wir haben ein Nest. Unsere Behausung sieht anders aus als ihre, aber wir essen das Gleiche, was sie essen.“

 

Es würde auch für eine ganze Mäusefamilie reichen.“

 

Die beiden blickten sich tief in die Augen. Sie waren so glücklich, dass sie sich verlobten, und das feierten sie. Ohne dass jemand davon wusste, gab es in diesem Tal zwei Familien: die Mäusefamilie und die Bauernfamilie.

 

 

 

 

Viele kleine Mäuschen

 

 

Während Topolino und Stella eine Familie gründeten, versuchten die stärksten und mutigsten Mäuse vom anderen Ufer, den Fluss zu überqueren. Doch die Strömung war so stark, dass er sie mehrere Kilometer mit sich riss, bevor sie wieder an Land klettern konnten.

 

Die Mäuse vom anderen Ufer, Stellas ehemalige Familie, wartete darauf, dass sie eines Tages wieder zu ihnen zurückkehrte. Doch die Zeit verging und niemand kam.

 

Der Sommer neigte sich dem Ende entgegen und Topolinos und Stellas Mäusebau war voller Getreide aller Sorten. Es gab sogar einen Platz, an dem es trotz starkem Regen immer trocken blieb. Topolino lernte von seiner Partnerin, wie man Vorräte anlegt und wie man durch das Leben kommt. Jetzt war Topolino eine perfekte Maus.

 

Im Winter, als der Wind über das Land fegte und es kalt wurde, bekam Topolino keine nassen Füße mehr und ihm wurde auch nicht mehr kalt. Nun saßen er und Stella geschützt im Warmen in ihrem Bau und kuschelten sich aneinander. Wenn es einen Tag gab, an dem es mal nicht regnete, gingen die beiden miteinander spazieren. Der Winter verging mit Stella wie im Flug.

 

Als das Frühjahr kam, war aus ihnen eine große Familie geworden. Das erste Kind nannten sie Zampino. Das zweite Fischino, das dritte Torrino, das vierte Salino. Und dann wurden sie total überrascht: Es gab noch einen Cinquino! Alles Jungs.

 

Topolino schaute seine Kinder an. Sie waren nackt und blind. Fassungslos sagte er zu Stella: „Die sind nicht gut. Die sehen nicht, sie sind nackt und können nicht richtig laufen. Sie können sich nicht verstecken und im Winter werden sie immer frieren.“

 

Doch Stella lächelte, als sie bemerkte, dass Topolino noch nie neugeborene Mäuse gesehen hatte. Obwohl Stella versuchte, ihn zu beruhigen und zu erklären, dass die Kleinen schon noch was würden, war Topolino mit seinem Werk nicht zufrieden. Er verließ die Höhle und spazierte vor dem Bau auf und ab. Um auf andere Gedanken zu kommen, begab er sich auf Futtersuche. Seinen Fund legte er vor dem Bau ab, denn er konnte die nackten kleinen Mäuse nicht ertragen. „Das sind unsere Kinder“, sagte Stella zu ihm, „ob du willst oder nicht!“

 

Ja, ich sorge für euch alle“, antwortete Topolino, der noch immer nicht davon überzeugt war, dass seine Kinder wirklich so aussehen mussten. „Ich werde Tag und Nacht herumrennen und euch Futter bringen.“

 

Stella lächelte: „Das ist schön.“

 

Nach ein paar Tagen rief Stella Topolino: „Komm‘ in den Bau!“

 

Zuerst sträubte sich Topolino. Er wollte seine hilflosen, blin- den Kinder nicht sehen, da er noch immer die Befürchtung hatte, dass sie genau so blieben. Stella brauchte einige Zeit, um ihn zu überreden, doch dann nahm er sich ein Herz und betrat den Bau. Er traute seinen Augen nicht. Er sah, dass seine Kinder die Äuglein geöffnet hatten. Auch waren sie nicht mehr nackt, sondern mit einem ganz zarten Flaum bedeckt.

 

Topolino sagte zu seiner Frau: „Was hast du mit unseren Kindern gemacht?“

 

Nichts“, antwortete sie, „das ist die Natur, die das so will. Früher hast du auch mal so ausgesehen.“

 

Ich? Ich war immer fertig!“ Topolino schüttelte entsetzt den Kopf.

 

Stella lachte.

 

Topolino beschloss, die Nacht im Bau zu verbringen. Abends schaute er zu, wie die kleinen Mäuse zu ihrer Mutter krabbelten und sich in ihr Fell kuschelten. Der Mäuserich war regelrecht neidisch, dass die Kinder nur zu ihrer Mutter gingen. Aber ihn kannten sie ja auch kaum. Also krabbelte er hinzu und legte sich daneben, sodass sie alle miteinander kuscheln konnten. So schliefen sie tief und fest ein.

 

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